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Reich befrachtete Osterzeit: Hochkonjunktur der Kirche

Gehörte es früher zur selbstverständlichen «Christenpflicht», die sonntäglichen Gottesdienste zu besuchen, so beschränken sich viele Christinnen und Christen heute auf den Besuch der Gottesdienste an besonderen Festtagen wie Weihnachten und Ostern. Hier darum ein kirchlicher Ablauf der kommenden Osterzeit, um gluschtig zu machen und «eingeschlafenes» Wissen aufzuwecken. «Bis zu deinem 16. Geburtstag, gehst du am Sonntag zur Kirche!», hat es bei uns daheim noch geheissen. Mit wenigen Ausnahmen (wenn ich schwänzen wollte, musste ich mich erkundigen, wer zu welchem Thema gepredigt hatte, damit ich den Eltern bei einer Nachfrage Auskunft geben konnte) befolgte ich zähneknirschend diesen Befehl. Von meinen eigenen Kindern verlange ich diese Sonntagspflicht nicht. Und ich finde, ein Gottesdienstbesuch sollte eh keine Pflicht, sondern ein Bedürfnis sein. Eine Schwierigkeit ergibt sich aber trotzdem aus diesem lockeren Umgang mit der früheren Sonntagspflicht: Religiöses Wissen und Brauchtum, das Bewusstsein, als Kirche gemeinsam im Leben unterwegs zu sein, das kirchliche Liedgut und die Kenntnis der Bibeltexte geraten mehr und mehr in Vergessenheit oder werden nur noch punktuell erfahren. Das finde ich sehr schade, muss aber gestehen, dass ich auch ein bisschen ratlos bin und nicht recht weiss, wie der Zerfall an «Kirchlichkeit» aufgehalten werden kann. Wer weiss, vielleicht trägt dieser Ablauf der Osterzeit dazu bei, Interesse an Gottesdienstbesuchen zu wecken und neue Erfahrungen mit der Kirche von Heute zu ermöglichen. Die Woche zwischen Palmsonntag und Ostern ist eine Art verdichtetes Kirchenjahr; von Jubel über Todesangst und Trauer bis zu neuer Hoffnung und Lebensfreude ist alles erfahrbar, was zum Leben eines Menschen gehört. Herzlich willkommen! Markus Limacher

Was, wann, wo? -  Um was geht es?

Palmsonntag, 17. April, 9.30 Uhr, Kirche: feierlicher Einzug, Palmsegnung, anschliessend Fastensuppe im Mehrzwecksaal Jesus zieht in Jerusalem ein und begibt sich quasi in die Höhle des Löwen. Er bringt die Priester gegen sich auf, weil er im Vorhof des Tempels Geldmacherei und Korruption anprangert. Mordpläne gegen Jesus nehmen konkrete Formen an.

Versöhnungsfeier, Montag, 18. April, 19.30 Uhr, Kirche: Vorbereitung auf die kommenden Tage Mit Bildern, meditativen Texten und Musik erforschen wir unser Inneres und versöhnen uns mit uns selbst und unseren Mitmenschen. Die Versöhnungsfeier ist eine gute Vorbereitung auf die intensiven Tage, die nun kommen.

Hoher Donnerstag, 21. April, 19.30 Uhr, Kirche: Erinnerung an das letzte Abendmahl, den Erstkommunion-Kindern werden nach dem Beispiel Jesu die Füsse gewaschen In Jerusalem wimmelt es von Pilgern, die wegen Pessach (Erinnerungsfest zur Befreiung der Israeliten aus Ägypten) zum Tempel wollen. Jesus feiert mit seinen Freunden dieses Pessach und nimmt bei diesem «letzten Abendmahl» Abschied; er ahnt die bevorstehende Gefangennahme. In der Nacht wird er von Tempelsoldaten abgeführt und vor den Priesterrat geführt.

Von der Trostlosigkeit des Todes

Karfreitag, 22. April, 14 Uhr, Kirche: Erinnerung an das Leiden und den Foltertod Jesu, Leidensgeschichte von Kindern erzählt und mit Bildern veranschaulicht; es singt der Kirchenchor Weil die jüdischen Priester keine Todesurteile vollstrecken können, bringen sie am frühen Morgen Jesus vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus und erwirken das Todesurteil gegen Jesus. Nach der Geisselung wird Jesus nach römischer Foltermethode gekreuzigt und stirbt um drei Uhr nachmittags. Er wird behelfsmässig in ein Grab gelegt, denn mit Anbruch der Dunkelheit beginnt für die Juden der Sabbat, und erst am Sonntag bei Sonnenaufgang darf der Leichnam besucht und einbalsamiert werden.

Osternacht, Samstag, 23. April, 21 Uhr, Kirche: Feier der Auferstehung Jesu, Lichtfeier mit Osterfeuer, Kerzenmeer, Taufwasser-Segnung; es singt der Kirchenchor Niemand weiss, was in der Nacht auf den Sonntag im Grab Jesu ganz genau geschah. Der christliche Glaube bekennt, dass die Liebe Gottes stärker ist als der Tod. Jesus hielt unerschütterlich am Glauben fest, dass sein leiblicher Tod nicht von Dauer sein wird, dass Gott ihn aus dem Dunkel des Todes ans Licht des Lebens führen wird. Die Osternachtfeier gibt unserer Hoffnung Ausdruck, dass unser sichtbares, irdisches Leben nicht die ganze Wirklichkeit ist, dass Gott uns auch im Tod noch zu neuem Leben führt.

zur Hoffnung von Ostern

(Bild «Maria von Magdala vor dem Grab» von Sieger Köder)

Ostersonntag, 24. April, 9.30 Uhr, Kirche: Feier der Auferstehung Jesu Maria von Magdala und Maria, die Mutter Jesu, eilen bei Sonnenaufgang zum Grab, wo Jesus abgelegt wurde. Sie finden das Grab leer. Mit diesem Ereignis beginnt ein neues Kapitel der Weltgeschichte: Christinnen und Christen aller Jahrhunderte folgen dem Beispiel Jesu und schöpfen Hoffnung für ein sinnerfülltes Leben, welches von Gott getragen ist.

 
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