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Emmetter Totentanz
Frauen im Spiegel der Totentänze
Mittelalterlicher Totentanz
Sagen um die Kapelle
  aus: Totesreigen - Totentanz vom Raeber Verlag, Luzern

Frauen im Spiegel der Totentänze 

Es sind zwei Dinge, die die Präsenz der Frauen in Totentanz-Darstellungen erklärbar machen:
Im mittelalterlichen Theologie- und Kunstverständnis wird die Frau mit dem Tod verknüpft; einerseits in der Vorstellung Evas als erste Frau und Sünderin, die durch den Sündenfall und die Verführung Adams den Tod in die Welt brachte, und andererseits durch die Symbolik des weiblichen Körpers, der in seiner Schönheit zugleich Sinnbild der Vergänglichkeit alles Irdischen ist. Frauen waren in der mittelalterlichen Gesellschaft in besonderem Masse vom Tod betroffen. Die Säuglingssterblichkeit war zu dieser Zeit sehr hoch; viele Frauen starben im Kindbett; und es waren vor allem Frauen, denen im Mittelalter Rituale rund um Krankenpflege, Tod und Totenkult übertragen wurden. In dieser Funktion erlangten sie auch eine eigene soziale Stellung, die ihre selbstständige Darstellung auf Totentänzen erklärbar macht.
 
Wenn wir nun nach der Wirkung solcher Bilder von Frauen im Zusammenhang mit dem Tod fragen, geraten wir in den Bereich, in dem theologisches Wissen und Alltagserfahrungen aufeinander treffen. Beide unterscheiden sich je nach Standeszugehörigkeit und religiöser Vorbildung. Sicher ist, dass die Wirkung der Bilder eine doppelte sein musste.
 
 
Zum einen erkannten sich Frauen in der Darstellung von Eva als Sünderin, die den Tod verursachte; zum anderen fanden sie sich aber auch in den verschiedenen Frauen wieder, die in ihren sozialen Rollen und in der Erfüllung bestimmter Aufgaben dargestellt waren. Dieser doppelte Blick oder diese doppelte Rolle ist typisch für das Selbstverständnis von Frauen, wie es zahlreiche Untersuchungen in unserem Jahrhundert belegen.
Es ist deshalb erstaunlich, dass diese Gespaltenheit der Frauen bereits in solchen frühen Darstellungen wie den Totentänzen erscheint, da sie ja die Bedingungen des Lebens in der mittelalterlichen Gesellschaft widerspiegeln.