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Seite 7 von 7 Der Hexenstein vom Tschäderibachaus: Sagen und Gebräuche aus Unterwalden von Franz Niderberger  Schwenkt man rechts beim Schulhause von der Strasse, die nach Seelisberg führt, ab und folgt dem ziemlich steilen Strässchen, das im Zickzack zu den weit ausgedehnten Emmetter-Alpen führt, dann kommt man in das halbstundlange enge Kohltal. Seiner ganzen Länge nach durchfliesst dieses Tal der sogenannte Steini- oder auch Tschäderibach, der bei Risleten in den Vierwaldstättersee einmündet. Dem Kohltal entlang ziehen sich kleine Berggüter hin, meist mit rauchgeschwärzten Häuschen, die aber nur im Sommer während dem Heuet und im Winter während dem Hirten bewohnt werden. Ungefähr mitten im Tälchen liegt auf ebener Wiese ein loser Stein, nicht ganz in der Grösse eines dieser schwarzen Berghäuschen. Das ist der Hexenstein von Emmetten.  Ursprünglich war dieser Stein hoch oben auf der Alp Oberbauen. Die frommen Emmetter erbauten unten im Tale nahe dem Tschäderibach eine Kapelle, die Heiligkreuz-Kapelle. Als das kleine Heiligtum erbaut und fleissig besucht wurde und das Glöcklein seinen friedlich-feierlichen Ave-Ruf durchs Tal und bis in die Berge hinauf verkündete, da wurden die Hexen, die oben in den Höhlen und Felsen wohnten, erweckt und erschreckt. Sie erbosten über die Menschen, die ihre Ruhe immer mehr störten. Mit Ingrimm sahen sie die Andacht und Verehrung der Heiligkreuz-Kapelle und so beschlossen sie, die Kapelle vom Erdboden zu vertilgen.  Der nahe Bach, der sich dort durch eine tiefe Schlucht hindurch gegraben hatte, sollte ihnen dazu willkommene Dienste leisten. Die Hexen beschlossen, Steine herbei zu tragen, den Bach so weit zu stauen, dass er die Fundamente der Kapelle untergraben und dadurch dieselbe zum Einsturz bringen sollte. Gleich gings an die schwere Arbeit. Ein mächtiger Stein auf Alp Oberbauen wurde auf die Schulter einer alten Hexe geladen, die mit schwerer Last bergab wankte. An einer Stelle beim Köpfitürli hinderte eine steil abfallende Felswand den Transport des Steines. Aber in einem kühnen, mächtigen Sprunge setzte die Hexe den Weg weiter fort und kam mit ihrer Last 200 Meter tiefer glücklich zu Boden, gerade auf einem flachen, platten Stein. Mehrere Zoll tief drückten sich die Hexenfüsse in diesen Stein.  Kein Emmetterbub geht an dieser Stelle vorbei, ohne den kühnen Hexensprung zu bewundern und mit seinen eigenen Füssen die Fusstritte der alten Hexe zu bemessen und zu vergleichen. Von da gings unbehindert weiter mit dem mächtigen Felsblock auf der zähen Schulter der Alten dem Bache und dem Kohltale entlang, bis zur Stelle, wo er heute noch liegt. Denn mittlerweilen war es Abend geworden und gar friedlich tönte von der Heiligkreuz-Kapelle das Ave-Glöcklein vom Tale herauf. Beim Klange dieses Glöckleins schwand der Hexe die Zauberkraft und sie wurde von der Schwere der Last zu Boden und in den Boden hineingedrückt, wo sie noch heute unter dem gewaltigen Stein gebannt liegt.
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